Profi-Tipps für digitale Zivilcourage: Unsere FAQs

Digitale Zivilcourage bedeutet nicht nur, Stellung zu beziehen, sondern auch sich selbst zu schützen und geeignete Wege zu nutzen, um gegen Hass im Netz vorzugehen.
Auf dieser Seite findest du Tipps, wie du Inhalte melden oder anzeigen kannst, was dir bei Selbstbetroffenheit hilft und wo du Unterstützung findest. Du entscheidest selbst, welche Schritte für dich sinnvoll und leistbar sind.

🚩 Wie kann ich Inhalte melden oder anzeigen?

Es gibt verschiedene Wege, um gegen Hass im Netz vorzugehen. Welche Option sinnvoll ist, hängt vom Inhalt, von der Plattform und von deiner persönlichen Situation ab. Du kannst einen oder mehrere dieser Wege nutzen.

1. Über die Plattform selbst
Die meisten sozialen Netzwerke bieten eigene Meldefunktionen an. Über sie kannst du Inhalte direkt melden. Der Ablauf unterscheidet sich je nach Plattform, orientiert sich aber an den jeweiligen Plattformrichtlinien.

2. Über Trusted Flagger und nationale Meldestellen
Trusted Flagger sind spezialisierte Organisationen mit Erfahrung bei der Meldung rechtswidriger Inhalte, zum Beispiel die Meldestelle REspect! oder auch HateAid.
Du kannst dort Inhalte einreichen, die nach einer Prüfung an die Plattform weitergeleitet werden. Meldungen von Trusted Flaggern müssen von Plattformen bevorzugt bearbeitet werden.

3. Über die Online-Wache der Polizei
Bei möglichen Straftaten kannst du Hass im Netz auch über die Online-Wache anzeigen. Zuständigkeiten und Abläufe unterscheiden sich je nach Bundesland.

4. Weitere Meldestellen
Zusätzlich gibt es spezialisierte Meldestellen, die bei den Landesmedienanstalten, Demokratiezentren oder Staatsanwaltschaften angebunden sind:

  • Meldestelle „REspect!“ der Jugendstiftung beim Demokratiezentrum Baden-Württemberg

Wichtig: Beweise sichern
Unabhängig vom Weg solltest du Inhalte möglichst früh dokumentieren. Für Meldungen oder Anzeigen wird häufig ein rechtssicherer Screenshot benötigt. Eine Anleitung dazu stellt die Amadeu Antonio Stiftung bereit.

🛟 Was hilft, wenn ich selbst von Hass im Netz betroffen bin?

Wenn du selbst Ziel von Hass im Netz wirst, ist das eine Ausnahmesituation. Angriffe können verunsichern, verletzen und handlungsunfähig machen. Gerade dann ist es wichtig zu wissen, dass du nicht allein bist – und dass es konkrete Schritte gibt, die dir helfen können, wieder Orientierung, Schutz und Unterstützung zu finden.

1. Klaren Kopf bewahren
Reagiere nicht sofort. Schaffe Abstand, indem du Benachrichtigungen stummschaltest oder Apps schließt. Das hilft, die Situation erst einmal einzuordnen.

2. Unterstützung holen
Bleib nicht allein. Sprich mit einer vertrauten Person über das Erlebte. Unterstützung kann entlasten und helfen, die nächsten Schritte zu sortieren.

3. Alle Handlungsmöglichkeiten nutzen
Du musst nicht antworten. Blockieren, melden oder stummschalten ist legitim. Sichere bei Bedarf Beweise, zum Beispiel durch Screenshots.

4. Hilfe in Anspruch nehmen
Wenn Hass im Netz dich stark belastet oder über längere Zeit anhält, kann professionelle Beratung unterstützen. Zum Beispiel hier

5. Anzeige prüfen
Bei schweren oder strafbaren Angriffen kannst du überlegen, den Vorfall anzuzeigen, etwa über die Online-Wache der Polizei.

🔐 Wie kann ich mich selbst vor Hass und Hetze schützen?

Unabhängig davon, auf welcher Plattform du unterwegs bist, ist Selbstschutz ein wichtiger Teil digitaler Zivilcourage. Mit ein paar grundlegenden Maßnahmen kannst du deine Sicherheit im digitalen Raum deutlich erhöhen.

1. Privatsphäre-Einstellungen prüfen
Überprüfe die Privatsphäre-Einstellungen deiner Profile regelmäßig. Stelle dein Profil möglichst auf „privat“ und beschränke sensible Informationen wie Wohnort, Telefonnummer oder Fotos auf vertrauenswürdige Kontakte. Nimm nur Anfragen von Menschen an, die du wirklich kennst.
Tipp: Schau dir dein Profil aus der Perspektive von Personen an, die dir nicht folgen, um zu prüfen, was öffentlich sichtbar ist.

2. Konten technisch absichern
Verwende starke, einzigartige Passwörter und aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung. So schützt du deine Konten zusätzlich vor unbefugtem Zugriff.

3. Datenschutz auf allen Plattformen beachten
Überprüfe auch die Einstellungen auf anderen sozialen Netzwerken oder Diensten. Informiere gegebenenfalls Familie und Freund*innen darüber, dass öffentliche Informationen auf ihren Profilen Rückschlüsse auf dich zulassen können.

4. Eigene Daten im Blick behalten
Suche regelmäßig nach deinem Namen im Internet (Self-Doxxing), um zu prüfen, ob sensible Daten öffentlich zugänglich sind. Bitte bei Bedarf um Entfernung oder lösche Inhalte selbst.

5. Einstellungen aktuell halten
Plattformen ändern ihre Datenschutzrichtlinien regelmäßig. Bleib informiert und passe deine Einstellungen entsprechend an.